Indien erlebt einen Stahlboom, aber mit hohen Klimakosten
Indien erlebt einen Stahlboom — aber seine Klimakosten sind enorm.
Stahl verursacht 7–8 % der weltweiten CO₂-Emissionen, in Indien sogar ~12 % der nationalen Emissionen. Indischer Stahl ist zudem deutlich „schmutziger“:
- weltweiter Durchschnitt: 1,9 t CO₂ / t Stahl
- Indien: 2,5–2,6 t CO₂ / t (≈ +30 %)
Grund? Fast 90 % der Kapazität laufen mit Kohle und ein großer Teil der Produktion stammt aus kleinen, ineffizienten Hütten. Kohle ist zudem etwa 8 × günstiger als Gas, sodass Unternehmen keinen wirtschaftlichen Anreiz haben, zu saubereren Technologien zu wechseln.
Das ist auch ein Problem für die EU: mehr als ein Drittel des indischen Stahlexports geht nach Europa. Und weil CBAM den tatsächlichen Emissionsfußabdruck berücksichtigt, wird indischer Stahl zu den am stärksten belasteten Importen gehören (höhere Sätze als zum Beispiel bei China).
CBAM wird also wie eine CO₂-Steuer auf günstigen, aber stark emittierenden indischen Stahl funktionieren.
Indien protestiert, dass es sich um eine Handelsbarriere handelt – die EU kontert, dass es ein notwendiger Schritt gegen das „Carbon Leakage“ sei.
Große Hersteller wie JSW und Tata testen Pilotprojekte mit erneuerbarer Energie oder grünem Wasserstoff, aber die Technologie ist teuer, Gas ist nicht verfügbar und Kunden in Indien sind nicht bereit, eine Prämie für grünen Stahl zu zahlen.
https://www.ft.com/content/c9f4b3af-b72e-4402-a678-77df4b7fa0a7
Die hohe Nachfrage nach Stahl in Indien ist einer der Gründe für den Anstieg des Baus von Kohlekraftwerken. Der Kohle‑Spitzenausstoß in Indien wird zum Beispiel nicht vor etwa 2040 erwartet.
CBAM ändert theoretisch die Spielregeln — es benachteiligt schmutzige Produktion und belohnt emissionsarme Produkte.
Europäische Unternehmen sollten also vor „Carbon Dumping“ geschützt werden, bei dem günstiger, stark emittierender Stahl ohne jeglichen CO₂‑Preis in die EU importiert wird.
Für Indien hingegen stellt das eine potenzielle Bedrohung dar – wenn das Land nicht schneller zu sauberem Stahl übergeht, könnte es an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und in festgefahrenen Vermögenswerten im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar stecken bleiben.
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