Indien hat ein eigenes zentrales Portal für den Handel mit Kohlenstoffgutschriften gestartet.

| Jiří Staník
Indie spustila vlastní centrální portál pro obchodování s uhlíkovými kredity.

Auf der Konferenz Prakriti 2026 in Neu-Delhi stellte der indische Energieminister Manohar Lal das Indian Carbon Market Portal vor – eine zentrale Plattform für die Registrierung, Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) von Emissionen industrieller Unternehmen. Der reale Handel soll in vier Monaten beginnen.

Was das in der Praxis bedeutet:

- 490 große Industrieunternehmen in 7 energieintensiven Sektoren erhielten verbindliche Ziele für die Emissionsintensität (GEI). Wer das Ziel überschreitet, erhält handelbare Kohlenstoffzertifikate. Wer es nicht tut, muss sie kaufen.

- Der freiwillige Offset‑Markt ist für alle geöffnet – neun genehmigte Methodiken decken Biogas, grünen Wasserstoff, Forstwirtschaft und erneuerbare Energien ab. Bereits über 40 Unternehmen haben Projekte registriert.

- Das Portal ermöglicht indischen Unternehmen, die Konformität mit externen Kohlenstoffmechanismen nachzuweisen – einschließlich des europäischen CBAM.

Wie unterscheidet es sich von der EU?

Indien hat einen grundlegend anderen Weg gewählt als Europa. Das EU‑ETS ist ein klassisches Cap‑and‑Trade‑System – ein absoluter Emissionsdeckel, Auktionen von Zulassungen, ein strenger Regime. Das indische CCTS hingegen basiert auf der Emissionsintensität (Emissionen pro Produktionseinheit). Das bedeutet, dass die Gesamtemissionen mit der Wirtschaft wachsen können – aber die Unternehmen werden dazu motiviert, sauberer zu produzieren.

Das EU‑ETS deckt 45 % der Gesamtemissionen der Union ab und hat seit 2013 über 109 Mrd. USD aus Auktionen generiert. Indien startet mit 9 Sektoren und einem bescheidenen Ziel von etwa 3 % Reduktion der Intensität. Die EU hat einen Kohlenstoffpreis von 50–80 EUR/t, der indische Preis wird sich erst noch etablieren.

Es ist eine pragmatische Wahl für eine Entwicklungsökonomie – aber mit einem Haken. Das Intensitätssystem lässt sich schlechter mit dem CBAM verbinden, das mit absoluten Emissionen arbeitet. Indische Unternehmen können die CBAM-Gebühren somit senken, aber nicht vollständig eliminieren.

Warum ist das global wichtig?

Indien ist der drittgrößte CO₂-Emittent. Es startet einen funktionierenden Kohlenstoffmarkt mit digitalem MRV und bewegt sich von Ambitionen zur Umsetzung. Für europäische Importeure, die mit indischen Lieferanten handeln, bedeutet das einen neuen Kontext, der beobachtet werden sollte.

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