Warum bevorzugen Unternehmen lokale Kohlenstoff-Offsets, obwohl es bessere Klimaprojekte gibt?
Eine in Nature veröffentlichte Studie, geleitet von Professorin Jiehong Lou vom Center for Global Sustainability an der University of Maryland, deckt ein interessantes Paradoxon in der Entscheidungsfindung von Unternehmen bezüglich Kohlenstoffkompensationen auf.
Unternehmen wählen beim Kauf von Kohlenstoffgutschriften häufig lokale Projekte mit Nebenwirkungen für die Gemeinschaft — obwohl es an anderen Orten effektivere Klimaprojekte gibt.
Warum das so ist:
- Lokale Projekte stärken den Ruf des Unternehmens und sind für Kunden und Stakeholder besser „sichtbar\".
- Unternehmen werden durch Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenswert motiviert — Nebenwirkungen (Beschäftigung, Gemeinschaften) sind attraktiver als reine Emissionsreduktion.
- Im Gegensatz dazu ist bei günstigeren Projekten (Erneuerbare Energien) die Motivation eher ein betrieblicher Auftrag zur Emissionssenkung.
Der Kontext ist dabei alarmierend: Laut weiteren Analysen überschätzen mehr als 43 % der Offset-Projekte ihre tatsächliche Klimawirkung, und über 70 % wirken sich negativ auf lokale Gemeinschaften und indigene Bevölkerungen aus.
Kohlenstoff-Offsets sind als Ergänzung sinnvoll — nicht als Ersatz für echte Emissionsreduktionen. Bevor Sie Gutschriften kaufen, berechnen Sie Ihren eigenen CO₂-Fußabdruck und finden Sie heraus, wo Sie Emissionen tatsächlich senken können. Erst dann kompensieren Sie das, was nicht reduziert werden kann.
Quelle: Lou, J. et al., npj Climate Action (Nature), 2024 | Devdiscourse, 03/2026
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